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Kulturworkshop selbst moderieren: 6 Schritte und eine kostenlose Vorlage
Kurz gesagt: Ein Kulturworkshop funktioniert gut in drei Terminen à etwa drei Stunden: Strategie, Kommunikation und Regeln. Jeder Block geht vom Zielbild über einen ehrlichen Blick auf heute zu wenigen Vereinbarungen mit Verantwortlichen. Unten findest du die sechs Schritte, einen Ablauf und eine kostenlose Vorlage als PDF.
Die meisten Teams haben ihre Werte irgendwo aufgeschrieben. Im Alltag laufen Meetings und Entscheidungen oft weiter wie vorher. Ein Kulturworkshop setzt da an, wo sich Kultur wirklich zeigt: wie ein Team entscheidet, Feedback gibt, Meetings führt und feiert.
Bei unseren Kunden arbeiten wir mit dem Culture Design Canvas von Gustavo Razzetti. Es stellt Sinn und Werte in die Mitte und drumherum die Stellen, an denen Kultur sichtbar wird: Prioritäten, Verhalten, psychologische Sicherheit, Rituale, Normen und Regeln, Entscheidungen, Feedback und Meetings. Das Canvas ist kostenlos, du kannst also selbst einen Workshop damit moderieren. So machen wir es.
Was ein Kulturworkshop ist, und was nicht
Ein Kulturworkshop ist ein moderierter Termin, in dem ein Team beschreibt, wie es zusammenarbeiten will, und sich auf ein paar konkrete nächste Schritte einigt. Er ist kein Werteplakat und keine Wand voller Post-its, die niemand mehr anschaut. Ob ein Workshop gut war, zeigt sich Wochen später: Etwas in einem Meeting, einer Entscheidung oder einem Ritual läuft anders.
Was du brauchst
- Das Canvas: kostenlos als PDF oder Mural-Vorlage bei Fearless Culture, auf Englisch.
- Ein Board pro Kleingruppe, auf einem Online-Whiteboard oder an der Wand.
- Zeit: drei Termine à etwa drei Stunden oder einen langen Tag.
- Eine Moderation und jemanden, der auf die Zeit achtet.
- Eine Richtung: top-down mit dem Führungsteam zuerst oder bottom-up mit dem ganzen Team.
Die sechs Schritte
1. Den Rahmen setzen
Warum Kultur, und warum jetzt? Benenne den Anlass: starkes Wachstum, eine Fusion oder Umstrukturierung, ein neues hybrides Arbeitsmodell oder Führungsleitlinien, die das Team gemeinsam erarbeiten will. Stell dann das Canvas vor und den Bogen, dem jeder Block folgt: erst das Zielbild, dann ein ehrlicher Blick auf heute, dann ein paar Prinzipien in euren Worten.
2. Aufwärmen
Starte mit einer kurzen Einstiegsfrage, die alle beantworten. Remote: Kamera an, ein Satz pro Person, strenges Timeboxing. So haben alle einmal gesprochen, bevor die schwierigeren Fragen kommen.
3. In Kleingruppen arbeiten
Jede Gruppe nimmt sich einen Block des Canvas auf ihrem eigenen Board vor. Wo wollen wir hin? Wo stehen wir heute? Worauf müssten wir uns einigen? In großen Gruppen hilft ein World Café: Die Gruppen wechseln die Tische und bauen auf dem auf, was die Gruppe vor ihnen geschrieben hat.
Neben dem Canvas machen wir eine eigene Übung: gute und schlechte Fehler. Welche Fehler wollen wir öfter, weil sie entstehen, wenn wir etwas Neues ausprobieren? Welche Fehler müssen wir vermeiden? Das macht psychologische Sicherheit greifbar.
4. Teilen, diskutieren, auswählen
Die Gruppen stellen vor, die anderen ergänzen und hinterfragen. Dann wird ausgewählt, denn weniger ist mehr. Stimmt über die wenigen Punkte ab, die den Alltag am meisten verändern würden, zum Beispiel eure drei wichtigsten Werte und die Prioritäten, die daraus folgen.
5. Nächste Schritte daraus machen
Aus jedem gewählten Punkt wird ein Schritt mit Verantwortlichen und Datum. Nehmt diese Schritte in bestehende Meetings, Prozesse und Tools auf statt in ein eigenes Kulturprojekt, und vereinbart nur, wofür Führung, Teams und HR wirklich Kapazität haben.
6. Regelmäßig draufschauen
Holt das Canvas alle paar Monate wieder auf die Agenda: Was hat sich verändert, was müsst ihr anpassen? Den größten Anteil haben hier die Führungskräfte, denn sie leben das Verhalten vor, auf das sich das Team geeinigt hat.
Ein Tag oder drei Termine?
Drei Termine teilen das Canvas so auf, wie wir damit arbeiten:
- Strategie: Sinn, Werte und eure wichtigsten drei, Prioritäten und das Verhalten, das ihr fördert und dem ihr etwas entgegensetzt.
- Kommunikation: psychologische Sicherheit, Rituale sowie Normen und Regeln.
- Regeln: Entscheidungen, Feedbackkultur und Meetingkultur.
Zwischen den Terminen kann das Team erste Vereinbarungen im Alltag ausprobieren und mitbringen, was passiert ist. Ein einzelner langer Tag passt gut zu einem Offsite. Behaltet dieselbe Reihenfolge und haltet den letzten Teil des Tages für die nächsten Schritte frei.
Hybrid oder remote
Unsere Workshops laufen seit 2020 auch remote. Darauf kommt es an:
- Vorbereitete Boards auf einem Online-Whiteboard, eins pro Gruppe, mit den Blöcken des Termins.
- Breakout-Räume für die Kleingruppen. Testet Boards und Räume einmal vor dem Termin.
- Strenges Timeboxing bei Check-in, Vorstellen und Check-out. Das hält die Energie hoch und trainiert alle, auf den Punkt zu kommen.
Drei Fehler, die wir oft sehen
- Werte von einem anderen Unternehmen abgeschrieben. Das Ergebnis sollte in euren Worten beschreiben, wie ihr arbeiten wollt, nicht wie ein bekanntes Unternehmen arbeitet.
- Zu viel Ergebnis. Zwanzig Vereinbarungen ändern nichts. Drei, die in den Meetings der nächsten Woche auftauchen, ändern viel.
- Nächste Schritte ohne Verantwortliche. Ein Schritt ohne Namen und Datum bleibt auf dem Board.
Kostenlose Vorlage
Der Ablaufplan als PDF
Drei Termine mit Leitfragen, ein Zeitplan für jeden Termin und Checklisten für vorher und nachher. Nutze ihn zusammen mit dem Canvas.
Wann eine externe Moderation hilft
Selbst moderieren funktioniert. Eine externe Moderation hilft, wenn die Führungskräfte mitarbeiten sollen, statt den Termin zu leiten, nach einer Fusion oder bei einem Offsite mit mehreren Teams. Wir moderieren Culture-Design-Workshops für ein Team oder Offsites mit etwa 50 Personen, remote oder vor Ort, auf Deutsch und Englisch.